Vernissage im Foyer des Landtages Rheinland-Pfalz, Mainz

Malerei und Grafik sind im Schaffen von Marita Mattheck symbiotisch vereint.
Dagmar Heyden-Welsch, Rundfunkjournalistin
14.04.2010

…“Marita Matthecks Grafik hat auch immer eine malerische Seite. Ihre Arbeiten konzentrieren sich auf die Fläche, erstrecken sich selten auf die dritte Dimension. Puristisch sind ihre bevorzugten Farben: schwarz und weiß in hartem, kompromisslosem Kontrast. Die unregelmäßige, geometrisch nicht fassbare Linie ist das dominierende Element, autonom schafft sie eine ästhetische Wirklichkeit. Ihre Werke sind Spannung und Harmonie, sind auch lebendige Bildfläche. Abstrakte Gebilde aus grafischen Pinselschwüngen mit Acryl auf Holz oder Leinwand legen sich auf die Oberfläche, und gehen mit kräftigen und feinen Linien eine Verbindung ein; manchmal erhält das Ergebnis durch eine zarte Farbe einen anmutigen Touch. Der Pinselstrich entlang der eckigen und runden Formen muss auf Anhieb sitzen, denn eine Überarbeitung gesteht die Künstlerin sich nicht zu.

Die reduzierte Formen- und Farbensprache in den Bildern von Marita Mattheck ist bewusst gewählt worden. Sie entzieht sich einer direkten, gegenständlichen Bildsprache zugunsten einer abstrakten Gestaltung. Es sind Prozesse in ihrem Bewusstsein, Reflexionen von Erlebtem, die sie in kombinierten Bildern verarbeitet. Deutlich wird das in den mehrteiligen Bildsequenzen, gehalten in Schwarz und Weiß, mit Formen, die aufeinander zulaufen oder sich zu entfernen scheinen. Hier und da ist man sich nicht sicher, wo die eine endet und die andere beginnt. Linien werden zu einer Bahn, die das Bild durchquert, seinen Rand zu überschreiten und sich am benachbarten Bild der Komposition fortzusetzen scheint.

Ich möchte nicht missverstanden werden: keineswegs alle Bilder beschränken sich auf die Fläche. Je länger man die Linien und ihre Inhalte in manchen Werken auf sich wirken lässt, desto mehr geraten sie zu Körpern. Eine Deutung als Fragmente menschlicher Köper liegt nahe. Anders verhält es sich mit einem Diptychon, das mich an ein Musikinstrument denken lässt, von außen und von innen gesehen.
In weiteren Bildern springen die Linien förmlich aus der Fläche und öffnen so explosionsartig den Raum. Sie scheinen dem Bild eine Richtung zu geben, um anzudeuten, dass ein beliebiger Überblick ein besonderer sein könnte – oder umgekehrt? Wie immer man die Kompositionen deutet, in jedem Fall sind sie fein und cool – und schön.“